I wonder where the seasight is

Seesite ist eine Mixed-Media-Arbeit von Anna Luchs & Beat Mazenauer, mit digitalem Beistand von Urs Hofer.

Sie ist Teil der Ausstellung „Im Anfang war das Wort" in Heiligkreuz. Die Arbeit thematisiert die Schnittstelle zwischen realer und virtueller Sphäre, zwischen Wirklichkeit und Imagination, zwischen Wort und Bedeutung. Fristgerecht zur Finissage entsteht online das "Entlebuch der Bücher", das vollautomatisch generiert wird.




Worum geht es?

Die klassischen gelben Wander-Wegweiser strahlen Verlässlichkeit aus und schaffen Orientierung. Steht auf einem solchen Wegweiser "Seesite", so ist dies ein untrüglicher Hinweis darauf, dass es einen Ort dieses Namens gibt. In der Gegend um Heiligkreuz finden sich tatsächlich Namen wie Schattsite, Sonnsite, Siteberg - aber keine Seesite. Selbst der Blick vom First aus geht auf der Suche nach einem See ins Leere.

Am Ende ist es lediglich eine Scheune, auf welche alle Wegweiser hindeuten: Seesite als Imagination - und als Installation mit Wörtern. In Form eines bildhaften Wörtersees bildet diese Installation im Scheunen-Tenn eine Brücke zu einem weiten Feld, auf dem es keine topographischen Begriffe mehr gibt, wo aber dennoch alles eine Adresse hat: das Internet, das virtuelle Meer der Informationen.




Dies erinnert uns. Seesite heisst auch: see (the) site! Der Wegweiser ist ein Imperativ, der uns auf virtuelle Fährten führen will. Nun denn: Besuche die Webseite "www.seesite.ch"!
Unvermittelt verwandelt sich der reale Raum von Heiligkreuz in einen virtuellen Raum, der bloss aus flüchtigen Codes, Worten, Begriffen besteht und trotzdem standhaft die Realität von Heiligkreuz bezeugt.

www.seesite.ch ruft die Ausstellungsbesucher und -besucherinnen zur Aktivität auf. Sie alle sind gebeten, zuhause am eigenen Computer an einem Buch mitzuarbeiten, indem sie Begriffe zum Entlebuch und zu andern Fragen des Lebens in eine Suchmaske eingeben.
Der Encyclopaedizer, eine lexikalische Wissensmaschine, gibt auf die Fragen automatisch generierte Antworten und füllt diese in eine Datenbank ein. Automaten sind nicht fehlerfrei, weshalb die Resultate mitunter komisch anmuten können. Ungeacht dessen bilden sie das Fundament für das wiederum automatisch gestaltete, grosse EntleBuch der Bücher. Dieses Buch beschreibt den Zeitraum der Ausstellung in Heiligkreuz und wird fristgerecht zur Finissage aufliegen.

Somit schliesst sich der Kreis. Als käufliches, handfestes Objekt kehrt das EntleBuch nach einer Kehre durch das Internet wieder in die Realität von Heiligkreuz zurück. Es erdet so die virtuelle Utopie, für die es weder Zentrum noch Peripherie, Metropole noch Provinz gibt. In der digitalen Streusiedlung Internet bildet auch das Entlebuch ein Zentrum. Dafür gebührt ihm dieses Buch der Bücher.


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